Selbstorganisation ≠ Selbstoptimierung
- Antje Holzwarth
- 11. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Ergänzend zum letzten Beitrag eine subjektive Abgrenzung des Themas "Selbstorganisation" von dem der "Selbstoptimierung". Aus meiner Sicht dient Selbstoptimierung oft dazu, die eigene Selbstorganisationskraft zu übergehen. Dort, wo wir uns ständig verbessern wollen, übergehen wir uns selbst.
Auf den ersten Blick scheint Selbstoptimierung etwas Positives zu sein: Verantwortung übernehmen, sich entwickeln wollen, „an sich arbeiten“. Und natürlich kann das auch ressourcenorientiert und sinnvoll sein.
Im therapeutischen Sinne kann Selbstoptimierung nicht selten Ausdruck genau der inneren Muster sein, unter denen Menschen leiden. Satt nachzufühlen, mit uns in Kontakt zu kommen, beginnen wir, uns zu analysieren, zu bewerten (bis zur Selbstabwertung), zu korrigieren. Wir machen uns selbst zum Projekt. Das Erlebte wird nicht mehr als sinnvoller Ausdruck verstanden, sondern als Fehler, der behoben werden muss.
Doch auch Selbstoptimierung ist oft nicht „frei gewählt“, sondern hat eine Geschichte und ist manchmal aus frühen Erfahrungen entstanden wie: „Anerkennung gibt es nur bei Leistung“, „Anpassung ist die Voraussetzung für Bindung“, als Reaktion auf Kritik, Beschämung oder zu hohe Erwartungen.
Daraus können sich Muster entwickeln wie: „Ich bin dann richtig, wenn ich mich verbessere.“
Selbstoptimierung verspricht uns viel: mehr Klarheit, mehr Erfolg, mehr Glück, mehr wir selbst. Und vielleicht liegt genau darin ihr subtilstes Problem. Denn was wie Entwicklung aussieht, ist oft etwas anderes: Ein kaum endendes Gefühl, noch nicht zu genügen. Noch nicht weit genug zu sein. Noch nicht geheilt, noch nicht bewusst, noch nicht gut genug reguliert, noch nicht „die beste Version“ von sich.
So geht es mir auch im therapeutischen Kontext nicht darum, Optimierungsimpulse zu verändern oder zu korrigieren. Im Gegenteil: Ich verstehe sie zunächst als Ausdruck eines Musters – einer inneren Organisation, die einmal sinnvoll war.
Ich nehme diese Impulse ernst, definiere sie nicht als „Problem“, sondern als Hinweis und Ansatz, gemeinsam genauer hinzuschauen. Frage nicht: Wie wirst du anders? Sondern vielleicht: Wie hat sich dieses Muster gebildet? Was hat es einmal geschützt oder ermöglicht? Wovor bewahrt es dich vielleicht noch heute? Und das erforschen wir nicht rein kognitiv sondern im gegenwärtigen Erleben.
Das Muster wird nicht „abgeschafft“, sondern möglicherweise verliert es seine Notwendigkeit.
Hier kann Veränderung stattfinden. Nicht als aktiver Prozess des Verbesserns, sondern als natürliche Reorganisation.



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