Warum Verstehen allein oft nicht reicht
- Antje Holzwarth
- 12. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Viele KlientInnen kommen zu mir mit dem Wunsch, sich selbst besser zu verstehen. Sehnen sich danach, Zusammenhänge besser zu erkennen, einzuordnen, zu begreifen, warum sich bestimmte Gefühle zeigen und weshalb sich manche Muster immer wiederholen. Und wir kennen es alle – der "Fisch merkt als Letzter, dass er im Wasser schwimmt".
Und ja – Verstehen kann entlasten! Kann Ordnung bringen. Manchmal auch Erleichterung. Kann helfen, neue Perspektiven einzunehmen.
Und doch hat es seine Grenzen. Vielleicht kennen Sie es auch, Sie haben jahrelang Therapie hinter sich und doch scheint immer etwas Wesentliches offen zu bleiben, etwas dreht sich im Kreis, ohne dass ein Ausweg zu finden ist. Hier kann die erfahrungsbasierte Psychotherapie ansetzen. Denn viele Muster sind nicht auf der Ebene des Denkens entstanden – sondern aus Erfahrung gewachsen.
Erfahrung ist nichts Abstraktes. Sie ist unmittelbar und zeigt sich im gegenwärtigen Moment, z.B.
im Körper
in der Atmung
in Empfindungen wie Spannung oder Enge
in spontanen Impulsen (wie Rückzug oder Anpassung)
Viele dieser Reaktionen laufen automatisch ab. Und genau dort setzt erfahrungsorientierte Therapie an.
Innere Muster, sogenannte Anschauungen entstehen oft früh, sie prägen unser emotionales Erleben, Erwartungen, Verhalten. Erfahrungsorientierte Therapie kann eine andere Form des Zugangs anbieten.
Wir schaffen zunächst einen Raum, in dem Erleben zugänglich wird. Einen Raum, in dem das, was sonst automatisch geschieht, bewusst werden kann.
In der Hakomi-Therapie, wie sie von Ron Kurtz entwickelt wurde, wird dieser Gedanke besonders konsequent verfolgt. Hier gehen wir davon aus, dass die zentralen Überzeugungen eines Menschen nicht nur gedacht, sondern im gesamten Organismus organisiert sind – im Körper, im emotionalen Erleben,...
Diese Organisation zeigt sich im gegenwärtigen Moment. In kleinen, oft unscheinbaren Reaktionen: in einem Innehalten, einer Veränderung der Atmung, einem kaum bemerkten Impuls. Vielleicht ist es ein Moment, in dem jemand Unsicherheit zeigt und nicht abgewiesen wird. Oder ein Moment, in dem etwas gespürt werden darf, ohne dass es sofort reguliert werden muss. Solche Erfahrungen lassen sich nicht durch Denken erleben. Und genau darin liegt die Besonderheit erfahrungsorientierter Arbeit: Sie vertraut darauf, dass Veränderung nicht hergestellt werden muss, sondern entstehen kann.
Erfahrungsorientierte Therapie arbeitet nicht isoliert „im Inneren“, sondern auch im Beziehungsraum.
Neue Erfahrungen können dort entstehen, wo alte Erwartungen nicht bestätigt werden. Für den therapeutischen Rahmen kann das bedeuten, dass es zunächst im Wesentlichen darum geht, einen Raum für eine sichere tragfähige Beziehung zu schaffen.
Anschauungen können sich im Erleben des Augenblicks zeigen und genau dort können sie mittels innerer Achtsamkeit (im Sinne nach innen gerichteter, nicht-wertenderAufmerksamkeit) erforscht werden. In der HAKOMI Psychotherapie bieten wir hier kleine Angebote, verbal oder non-verbal, die das Erleben an der Stelle vertiefen. Nicht mit dem Ziel, Veränderung zu erzwingen, sondern Erfahrung zu ermöglichen.



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