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HAKOMI - humanistisch


In meine Praxis finden Menschen aus allen erdenklichen Berufsbildern. In letzter Zeit auffällig viele aus sogenannten helfenden Berufen: Pflegekräfte, SozialarbeiterInnen, TherapeutInnen,...auch Lehrende und Führungskräfte. Kurz – Menschen, die selbst tagtäglich für andere da sind. Menschen, die erschöpft sind, die nicht selten sich selbst aus dem Blick verloren haben.

Deren eigene Bedürfnisse in den Hintergrund gerückt sind. Aus Berufen, in denen das Funktionieren oft hinter dem Spüren zurückbleibt. Bei denen alte Erfahrungen und Muster im Heute wieder wachgerufen werden – Themen wie „sich nicht gesehen zu fühlen“, Grenzüberschreitungen, das eigene Bedürfnis danach, auch mal unterstützt und – im körperpsychotherapeutischen Zusammenhang – auch mal gehalten zu werden.


Der humanistische Ansatz der HAKOMI Körperpsychotherapiemethode beinhaltet unter anderem das tiefe Vertrauen in die Selbstorganisationskraft des Menschen. Damit diese sich überhaupt entfalten kann, braucht es Raum. Einen Raum, der von Sicherheit, Verlangsamung, Akzeptanz, Menschlichkeit und Offenheit geprägt ist.

Manchmal kann schon ein Moment, in dem jemand einfach mal nicht funktionieren muss, eine korrigierende, heilsame Erfahrung sein.


Für mich hat meine Arbeit auch mit Demut zu tun. Mit einer Form zu dienen – beides im besten Sinne des Wortes. Nicht „besser zu wissen“, was richtig ist. Sondern gemeinsam zu erforschen, was jetzt gerade in diesem Moment wirklich gebraucht wird.


Es gilt, einen Raum zu öffnen, in dem nichts bewertet werden muss. In dem der Körper oft mehr weiß als der Kopf. So begleite ich z.B. Menschen dabei, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen – mit dem eigenen Körper, den eigenen Grenzen, den eigenen Ressourcen. Anderen helfen zu können bedeutet auch, die eigenen Grenzen zu kennen und sie zu achten.


Nun habe ich die „Selbstorganisationskraft“ des Menschen aus humanistischer Sicht erwähnt, die nicht nur für HAKOMI TherapeutInnen in der Haltung zentral ist. Es geht dabei um mehr als „Selbstregulation“.

Diese humanistische Perspektive geht von der Annahme aus, dass Menschen keine passiven Empfänger von Erfahrungen sind sondern aktive, sich selbst strukturierende Systeme. Der Mensch trägt bereits in sich die Tendenz, sich zu entwickeln, sich zu stabilisieren und wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Carl Rogers nennt es Aktualisierungstendenz. So wird der Mensch nicht als statisches System, sondern im Sinne eines dynamischen Prozesses gesehen.


Ron Kurtz, der Gründer der HAKOMI Körperpsychotherapie, betont es in den Grundprinzipien der Methode unter dem Begriff „Organizität“. Gemeint ist unter anderem: ein innerer Impuls, sich in Richtung Wachstum, Stimmigkeit und Entfaltung zu bewegen. Wenn die richtigen Bedingungen da sind, kann sich das System von selbst in Richtung Heilung, Integration verändern. Das bedeutet nicht, dass immer alles „von allein gut wird“ oder dass es keine dysfunktionalen Muster gibt! Sondern wir nehmen an, dass auch das, was wir als „Problem“ sehen, Ausdruck von Organisation ist. Symptome sind organisiert. Schutzstrategien sind organisiert. Sogar innere Konflikte sind organisiert – und zwar sinnvoll im Kontext der bisherigen Erfahrung, wenn auch im Heute oft so schmerzhaft und begrenzend.


Es führt nach Ron Kurtz zum nächsten Grundprinzip der „Gewaltlosigkeit“. Für die therapeutische Haltung bedeutet es: „Ich muss nichts reparieren.“ „Der Mensch ist nicht falsch.“ Sondern: „Der Mensch trägt bereits die Fähigkeit zur Entwicklung in sich.“ Auch wenn möglichweise der Zugang dazu fehlt. Das ist oft Anlass, sich Unterstützung zu suchen, eine Therapie zu beginnen.


Besonders frühe Beziehungserfahrungen prägen, wie sich unser inneres System organisiert. (z. B. Nähe = sicher oder Nähe = gefährlich). Daraus entstehen: Muster, Überzeugungen, Schutzstrategien, ... Und all das ist nicht zufällig, sondern es organisiert sich zunächst sinnvoll. In dem Moment ist es kein „Problem“ sondern die momentan bestmögliche Lösung des Systems. (z.B. Angst kann vor Überforderung schützen, Rückzug vor Verletzung, Kontrolle vor Chaos oder Ohnmacht)


Diese Muster oder Überlebensstrategien haben sich durch Erfahrungen entwickelt. Daher arbeitet die HAKOMI Methode auf derselben Ebene, um Zugang zu bekommen, erfahrungsorientiert, ganzheitlich, den Körper mit einbeziehend. Die Therapie folgt nicht einem starren Plan, sondern dem individuellen Prozess, der sich zeigt. Die alten Strategien zeigen sich im Hier und Jetzt und da können wir sie in der Tiefe untersuchen. Dafür braucht es ein Erleben von Sicherheit, tragfähiger Beziehung, Zeit und Bewusstheit. Und es braucht Neugier für sich selbst.


So ist diese Methode humanistisch und gehört zu den aufdeckenden Verfahren.

Und ist nicht angebracht beispielsweise bei akut psychotischen Zuständen.




 
 
 

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