Körper- und erfahrungsorientiert - Was heißt das eigentlich?
- Antje Holzwarth
- 11. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Um nur ein Beispiel zu nennen - wir arbeiten in der HAKOMI Methode gerne mit dem „inneren Beobachter“ / „der inneren Beobachterin“. „Sich beobachten“ wird oft mit nachdenken, verstehen wollen, sich analysieren verbunden. Unter dem inneren Beobachter verstehen wir im Sinne von HAKOMI etwas anderes. Die Fähigkeit, das eigene Erleben wahrzunehmen – während es geschieht. Ohne es sofort zu erklären, verändern zu wollen, ohne zu bewerten.
Z.B.:
„Ich merke, mein Atem wird gerade flacher.“
„Da ist Enge in meiner Brust.“
„Ich werde still.“
„Ich habe den Impuls, mich zurückzuziehen.“
Ohne zu interpretieren, nur bemerken, wahrnehmen.
Warum halten wir das für wichtig? Weil viele unserer Muster automatisch ablaufen. Der innere Beobachter bringt etwas dazwischen: Wahrnehmung. Und genau dort kann ein Raum entstehen. Wir bekommen in unsere automatische Reaktion sozusagen einen Fuß in die Tür. Da entsteht ein Raum, in dem nicht sofort reagiert werden muss. Ein Raum, in dem zunächst mal bewusst wird, was vorher automatisch ablief.
Mit der Hakomi-Methode arbeiten wir genau in diesem Raum.
Ohne das Ziel etwas „wegmachen zu müssen. Sondern indem wir es erlebbar, erfahrbar machen.
Die innere Beobachterin ist keine innere Kritikerin. Kein Optimierer. Kein „Coach im Kopf“.
Sondern ein neugieriger Teil, der nichts beabsichtigt – außer wahrzunehmen.
Natürlich sind diese Perspektiven nicht nur bei Hakomi zentral. Auch in anderen therapeutischen Ansätzen finden sich ähnliche Konzepte: Grundsätzlich geht es bei achtsamkeitsbasierten Verfahren im Allgemeinen um ein nicht-wertendes Gewahrsein des Moments. In körperorientierten Therapien wird das unmittelbare Erleben im Körper in den Fokus gerückt. In manchen tiefenpsychologischen Ansätzen spricht man von einem beobachtenden Ich.
Ein bekanntes Frankl zugeschriebenes Zitat:
„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum.
In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion.
In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“
Bei Hakomi wird der innere Beobachter sehr bewusst genutzt, um implizite, oft unbewusste Muster direkt im Erleben zugänglich zu machen. Zugrunde liegt die Annahme, dass Veränderung nicht primär oder ausschließlich durch Einsicht geschieht oder durch Anstrengung. Sondern durch Erfahrung. Durch Momente, durch ein Schaffen von Umständen, in denen auch neue korrigierende Erfahrungen möglich werden. Z.B. Ich kann Angst spüren – und in Kontakt bleiben. Ich kann mich zeigen – und werde nicht abgelehnt. Dann macht das System eine neue Erfahrung. Und auf dieser Ebene beginnt etwas, sich neu zu organisieren.
Nicht, weil ich es erzwinge, sondern weil es innerlich möglich wird, indem ich einen Raum schaffe für Wahrnehmung.
Diese Form der inneren Achtsamkeit braucht bestimmte Voraussetzungen: man sollte in der Lage sein, therapeutisch traumasensibel zu arbeiten, die Hinwendung nach innen sollte dosiert, achtsamk, gewaltlos, frei von Manipulation eingesetzt werden, in einem Maß, dass das Erleben nicht überwältigt. In Zuständen starker Destabilisierung oder in akuten psychotischen Episoden ist innere Achtsamkeit nicht angezeigt und erfordert zunächst Stabilisierung und äußere Orientierung.
Dies ist natürlich nur ein winziger Einblick in die Hakomi-Methode, viel passiert auf der Beziehungsebene.



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