Um die Bedeutung der verschiedenen Grundfertigkeiten (Teilleistungen) für das Lernen besser verstehen zu können, hier mehrere Beispiele zur Augenfolgebewegung:

Sowohl für das Lesen lernen als auch später für das sinnerfassende Lesen ist die freie Verfügbarkeit der Augenfolgebewegung eine grundsätzliche Voraussetzung. Steht diese Grundfertigkeit nicht oder nur bedingt zu Verfügung wird Lesen als sehr anstrengend empfunden. Bewegen sich die Augen ruckartig kann es zum Überspringen von einzelnen Buchstaben oder von Silben kommen. Manchmal werden sogar ganze Worte "übersehen". Zum Schreiben müssen beide Bewegungsrichtungen, sowohl die im Uhrzeigersinn als auch die gegen den Uhrzeigersinn frei verfügbar sein. Ist eine Bewegungsrichtung blockiert so zeigt sich das nicht nur in einer schlechten Schrift sonder hat auch noch weitere Lernschwierigkeiten zur Folge. Zum Beispiel das Verwechseln von b und d. Zu dieser Verwechslung kann es sehr leicht kommen, wenn die Buchstabenbäuche, wie es bei blockierten Bewegungsrichtungen beobachtet wird, immer nur in eine Richtung gezeichnet werden. Üblicherweise wird beim b zuerst der Abstrich geschrieben und dann der Buchstabenbauch im Uhrzeigersinn gezogen, während beim d zuerst der Buchstabenbauch gegen den Uhrzeigersinn gezogen wird und dann der Abstrich dazu gesetzt wird. Auf diese Weise werden b und d vom Muskelgedächtnis als unterschiedliche Bewegungsformen geankert und können leichter differenziert und abgerufen werden. So wie die Augenfolgebewegung so stellt auch die Fähigkeit mit den Augen zu fixieren eine wesentliche Voraussetzung für das Lesen dar. Mit den Augen werden die Buchstaben, Silben oder Wörter der Reihe nach festgehalten und aufgenommen. Hat der Schüler mit dem Fixieren Schwierigkeiten so gleiten die Augen immer wieder weg und der Lesevorgang muss neu begonnen werden. Ein weiteres Beispiel für die Bedeutung des Fixieren mochte ich aus dem Bereich Rechnen anführen. Steht das Fixieren nicht im ausreichenden Maß zur Verfügung kommt es sowohl beim waagrechten als auch beim senkrechten addieren leicht zu Fehlern. Der Schüler weiss dann oft nicht, ob er die Zahl schon da zugezählt hat oder nicht. Zur Erläuterung dieser Grundfertigkeit gleich ein weiteres Beispiel aus dem Rechenbereich. Bei der Addition von zweistelligen Zahlen wird zuerst die Aufmerksamkeit auf die Einerstellen gerichtet und dann auf die Zehnerstellen. Bei der Rechnung 16 + 32 = wird zuerst die Aufmerksamkeit auf 6+2 gerichtet 16+32=8 und dann auf 1 + 3 - 16+32=48.